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Kanu mit Fahrrad

Kanadiertransport:
Das Problem ist bekannt: möchte man mit einem Kanu eine Tour unternehmen, ist man in der Regel darauf angewiesen, sein Kanu mit dem Auto zu transportieren. Möchte man eine Flußtour unternehmen, muß man sich darüber Gedanken machen wie man zu seinem Startpunkt zurückkehren kann. Meist nur mit Hilfe Dritter möglich, die man in seine Planungen einbeziehen muß. Spontane Ausflüge sind so selten möglich.

Transportiert man sein Kanu hingegen selbst mit dem Fahrrad, erweiteren sich die Möglichkeiten erheblich. Kanu auf den Kanuwagen geschnallt, Kupplungsdeichsel am Bug montiert, angehängt an das Fahrrad und abfahren. Hinter dem normalen Rad angehängt, um auf dem nächsten See ein Rundtour zu starten, oder hinter dem Faltrad angehängt, um eine Flußtour zu unternehmen.
Das Faltrad ist in diesem Fall das begrenzende Element: ist im Boot genügend Platz ein Faltrad unterzubringen? Da diese Räder in der Regel mindesten 12kg wiegen, ist es ratsam wenn man sie möglichst tief im Bootsrumpf unterbringen kann. Im Kanadier meistens kein Problem, im Kajak selten möglich, muß das gefaltete Rad durch die Sitzluke in das Boot eingefädelt werden.

Meine Erfahrungen beziehen sich auf den Transport eines 2er Kanadiers mit 485cm Länge und einem Gewicht von ca 23kg.
Da meine Suche nach einem Bootswagen mit kugelgelagerten Rädern erfolglos blieb(ich wollte mir quietschende Gleitlager einfach nicht antun) kam nur ein Selbstbau in Frage:

Ein alter Surfwagen diente als Ausgangsbasis für die ersten Versuche. Mittlerweile ist nur noch die Achse übergeblieben. Die Böcke wurden ersetzt durch kürzere aus Aluminium, die gleitgelagerten Räder ausgetauscht gegen größere kugelgelagerte Räder eines Kinderanhängers mit 16“ Durchmesser. Befestigt werden die Räder mit selbstgefertigen Klemmkeilen und mithilfe eines Schnellspanners. Ein schnelles Zerlegen ist damit gewährleistet. Der Kanadier wird mit normalen Spanngurten durch Ösen geschlauft auf dem Wagen befestigt. Bei entsprechender Vorspannung der Gurte ist ein Verrutschen auf dem Wagen nicht zu befürchten.
Das Kanu wird mittels einer selbstgebauten Deichsel aus mehrschichtverleimtem Sperrholz am Fahrrad befestigt. Die Deichsel wird im Tragegriff des Kanus mit einer Augenmutter festgeschraubt. Zum Festziehen und Lösen ist nur ein stabiler Knebel nötig. Die Deichsel ist bei dieser Bauweise relativ kurz und steif, was dem Fahrverhalten zu gute kommt.
Angekuppelt wird die Deichsel mit konventionellen Kugelkopfkupplung, wie sie z.B. von HEBIE angeboten wird. Je nach Fahrrad kann man sie an der Sattelstütze befestigen(Faltrad), oder bei meinem Versuch auf dem Gepäckträger verschrauben, damit die Deichsel insgesamt kürzer gebaut werden kann.

Fahrverhalten und Erfahrungen:
Der erste Fahrversuch verlief überraschend unproblematisch. Einfach ankuppeln und losfahren. Beim Beschleunigen kommt das in diesem Fall relativ leichte Kanu schnell auf Touren, eine Durchschnittsgeschwindigkeit von etwa 20 km/h stellt für einen trainierten Radler kein Problem dar. Wer schon einmal einen voll besetzten Kinderanhänger gezogen hat, kann das in etwa nachvollziehen. Auf normalen Straßen und Radwegen fährt sich das Gespann sehr unauffällig, einzig die etwas zum Klappern neigende Kupplung fällt auf. Dies kann man aber durch Verschieben der Beladung nach vorne im Kanu reduzieren.
Auch beim Bremsen hat man unter normalen Bedingungen alles unter Kontrolle. Was das Fahren mit diesem langen Gespann spannend macht, ist der größere Wendekreis und Hindernisse in Form von Pollern, Absperrpfosten und z.B. Gittern an unbeschrankten Bahnübergangängen. Eine Planung der Radroute ist vor der Abfahrt zu empfehlen, um unnötige Umwege zu vermeiden. Auch wenn man andere Radfahrer überholen möchte, muß man vor dem Wiedereinscheren sicher sein, das man an dem anderen Radfahrer wirklich schon vorbei ist.
Der Schwerpunkt des Anhängers liegt durch die größeren Laufräder etwas höher als bei anderen Bootswagen. Deshalb ist darauf achten, wenn ein Anhängerrad z.B. einen vorstehenden Bordstein trifft, das der Schlag auf das Rad ausreichend sein kann, das Gespann auf die Seite zu legen. Vorsicht auch vor seitlich schräg ablaufenden Radwegen.

Bis heute wurde das Gespann mit folgenden Rädern gezogen:

  1. riese und müller Birdy Faltrad mit 9Gang Kettenschaltung, V-Bremsen
  2. Stevens S8 MTB umgebaut mit Stvzo Ausstattung, Rohloff Speedhub, V-Bremse u. Scheibenbremse Avid BB7
  3. Stevens TwinPower Tandem mit 27 Gang Kettenschaltung und Magura HS33 Bremse

Besonders bergab wurden auch schon Geschwindigkeit jenseits der 30 km/h erreicht.
Dies sollte aber wirklich nur auf einer Strecke geschehen, die weit einsehbar ist. Unfälle aller Art werden mit diesem Gespann sicherlich weniger glimplich ablaufen als wenn man alleine unterwegs ist.